Kommentar der Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien

Präsidentin KommR Brigitte Jank zum Thema 'Erfolg'

 

Erfolg ist eine Bestätigung für die eigene Arbeit, auf die auch wir Unternehmerinnen nicht verzichten können. Denn wir alle brauchen Erfolg, auch wenn Erfolg von Mensch zu Mensch unterschiedlich definiert wird. Für viele Unternehmerinnen erstreckt sich Erfolg in Kategorien der Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung und geht damit weit über Fragen der Gewinnerzielung und betriebswirtschaftlichen Optimierung hinaus. Der eigene persönliche Vorteil wird von vielen Frauen hingegen nicht so sehr als Erfolg gesehen. Nicht erst seit der weltweiten Finanzkrise wird dieser Sichtweise verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt. Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der seit 1976 den Aufbau von Mikrofinanzierungsinstituten vor allem in den Entwicklungsländern betreibt, vergibt beispielsweise Kredite vorzugsweise an Frauen. Denn Yunus hat festgestellt, dass Frauen ihr geliehenes Geld viel vorsichtiger und besser anlegen als Männer. Frauen setzen sich realistische Ziele und halten sich seiner Erfahrung nach strikter an Vereinbarungen. Beobachtung dieser Art hat auch die Wirtschaftskammer gemacht. Wenn Frauen Unternehmen gründen, bereiten sie sich besser vor, besuchen mehr Informationsveranstaltungen und sind als Gründerinnen höchst erfolgreich.
Und doch sind Frauen im Wirtschaftsleben noch immer nicht so deutlich präsent, wie es möglich wäre. Das liegt nicht nur an den ungünstigeren gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die insbesondere Unternehmerinnen treffen, sondern dürfte auch in typisch weiblichen Eigenschaften begründet sein. Denn Frauen pflegen ihre Netzwerke weniger effizient als Männer und treten nicht so offensiv auf. Frauen müssen ihre Stärken wie Organisationstalent, zuhören können und eine reflektierte Selbsteinschätzung stärker ausspielen. Es ist an der Zeit, dass Unternehmerinnen ihre Erfolge als Antriebsfeder nutzen und dem Begriff des Erfolgs eine nachhaltigere Dimension zu verleihen, eine weiblichere.